Schlagwort: Aberglauben

  • Magie und Mythen: Aberglaube in Neapel

    Magie und Mythen: Aberglaube in Neapel

    „Es ist nicht wahr, aber ich glaube es.“ (Neapolitanisches Sprichwort). Nirgendwo in Italien treibt der Aberglaube so phantasievolle Blüten wie in Neapel. In den Gassen der Altstadt vermischen sich tiefe Religiosität und jahrhundertealter Aberglaube.

    Besonders die Vorhersage der Lottozahlen anhand von Träumen und das Kartenlegen sind esoterische Künste, deren Geheimnissen sich selbst moderne Neapolitaner und Neapolitanerinnen kaum entziehen können.

    Il corno – das rote Glückshörnchen

    Das in Neapel allgegenwärtige rote corno („Horn“) ist nicht einfach nur ein Souvenir! Es soll vor dem „bösen Blick“ schützen, der in Neapel sehr gefürchtet ist. Damit es wirkt, muss es handgemacht und – ganz wichtig – ein Geschenk sein.

    Munaciello – der kleine Mönch aus dem Untergrund

    Der munaciello, ein kleiner Mönch, lebt angeblich im unterirdischen Neapel. Unzählige Legenden ranken sich um den sympathischen Geist, der gerne Dinge verschwinden lässt und dafür auch mal etwas hinterlässt.

    Kartenlegen und Hellseherei

    Ob Kartenlegerinnen auf den Gehwegen der Quartieri Spagnoli oder mysteriöse Hellseher in den Hinterhöfen des centro storico: In der Stadt der Sirene Parthenope ist der Blick in die Zukunft ein Bestandteil des Alltags.

    Lotto in Neapel: Wie Träume die Gewinnzahlen verraten

    Entdecke das neapolitanische Lottospiel und erfahre, wie man in der Stadt am Vesuv im Traum zum Lottogewinner wird.

    La Smorfia – das neapolitanische Buch der Traumdeutung

    Du hast von einem alten Mann geträumt oder von einem Hund? Hier erfährst du, was das bedeutet und welche Zahl du im Lotto spielen solltest.

     

     

  • Neapel: Wahrsagen aus den Karten – von Kartenlegern und Hellseherinnen

    Neapel: Wahrsagen aus den Karten – von Kartenlegern und Hellseherinnen

    Die Neapolitaner sind ein abergläubisches Volk und manche holen sich gerne Rat bei Hellsehern. Aber wer interessiert sich nicht für einen Blick in die Zukunft?

    Beim Spaziergang durch die Altstadt von Neapel sieht man sie auf Gehwegen sitzen: sogenannte Sensitive, die auf kleinen Tischen ihre Tarotkarten ausbreiten. Inmitten von einkaufenden Passanten, hupenden Autos und spielenden Kindern beantworten sie in einem konzentrierten Gespräch selbst die intimsten Fragen ihrer Klientinnen. Vor allem in Neapels Fußgängerzone Via Toledo und in der Via dei Tribunali bieten sie ihre Dienste an.

    Wer allerdings die “wirklichen” – im Sinne von authentischen – Hellseherinnen kennenlernen möchte, muss Einheimische nach ihren Geheimtipps fragen. Und bringt am besten gleich einen neapolitanischen Dolmetscher mit. Denn die Hellseherinnen sind meistens ältere Damen, die Ratsuchende zu Hause empfangen und nur in neapolitanischer Sprache die Zukunft voraussagen.

    Für im Ausland lebende abergläubische Neapolitaner senden kleine neapolitanische Fernsehsender rund um die Uhr „Kartenlegen live“, wo zu überhöhten Preisen die Fragen der Zuschauer von geschäftstüchtigen „Wahrsagern“ beantwortet werden. Viele benutzen das bekannte Rider-Waite-Tarot, manche aber auch andere italienische Kartendecks für ihren unseriösen Service.

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  • Lotto in Neapel: Geschichte einer Leidenschaft

    Die Wurzeln des neapolitanischen Lottospiel liegen weit in der Vergangenheit. Selbst Verbote und Verfolgungen durch die Kirche konnten die Leidenschaft der Neapolitaner für das Glücksspiel nicht schmälern.

    In Italien hat das Lottospiel eine lange Tradition und hat sich bereits im 16. Jh. aus einem Glücksspiel in Genua entwickelt. Vor den politischen Wahlen haben die Einwohner Genuas auf einen der 120 Kandidaten eine Wette abgeschlossen. Auch wenn die Stadtverwaltung diese Wetten verbat, ließ sich die Bevölkerung nicht von ihrem Vergnügen abhalten. Legalisiert wurde das Spiel in Genua im Jahr 1576.

    Auch in anderen italienischen Städten fanden die Bewohner schnell Gefallen an dem Glücksspiel, änderten aber seine Regeln. Aus den 120 Politikern wurden im Lauf der Zeit verschiedene Zahlen, die man aus einer Urne zog.

    Die katholische Kirche verfolgte Lottospieler als Sünder

    In Neapel wurde das Lottospiel erst im Jahr 1682 gegen den Widerstand der katholischen Kirche eingeführt, ein verhältnismäßig später Zeitpunkt im Vergleich zu anderen italienischen Städten.

    Obwohl die Kirche alle Glücksspieler als Sünder betrachtete und verfolgte, ließen sich die Neapolitaner ihr Vergnügen nicht nehmen und frönten ihrer Leidenschaft einfach in anderen Städten. Als die Stadt Neapel schließlich bemerkte, dass ihr durch das Verbot viele Einnahmen verloren gingen, führte Carlo Borromeo im Jahr 1712 das Lottospiel in Neapel wieder ein. Der Papst Alexander VII erachtete das beliebte Glücksspiel jedoch als Sünde, beschloss dessen Verbot und gleich dazu den Ausschluss sämtlicher Lottospieler aus der Kirche.

    Der letzte Versuch das Spiel wieder einzuführen wurde im Jahr 1860 von Giuseppe Garibaldi unternommen, der die Lottoverwaltung seinem Finanzminister anvertraute. Natürlich blieb die Kritik der intellektuellen Schicht Neapels nicht aus. Sie betonte die moralische Pflicht des Staates, die Armen vor einem Spiel zu schützen, das ihnen den Traum einer besseren Zukunft vorgaukelt und dazu noch den Aberglauben fördert.

    Noch heute ist das Lottospiel das beliebteste Glücksspiel in Neapel

    Die erhofften Gewinnzahlen werden mit Hilfe der Smorfia, dem neapolitanischen Buch der Traumdeutung, berechnet. Dabei werden Traumsymbolen und Handlungen Zahlen zugeordnet.

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  • Lotto in Neapel: Vom verstorbenen Vater im Traum verwechselt – Theaterstück „Non ti pago“ von Eduardo de Filippo

    Eines der lustigsten Stücke des neapolitanischen Theaters ist die Komödie „Non ti pago“ (“Ich bezahle Dich nicht”) von Eduardo De Filippo. Das Stück zeigt die leidenschaftliche Beziehung der Neapolitaner und Neapolitanerinnen zum Lottospielen.

    In Neapel hegen viele Menschen eine große Leidenschaft für das Lottospiel, das in der Stadt am Vesuv eine lange Geschichte hat. Nirgends kommt die Beziehung der abergläubischen Neapolitaner zum Lotto besser zum Ausdruck als im Theaterstück „Ich bezahle dich nicht“ (Non ti pago). 1940 wurde es von Eduardo de Filippo geschrieben.

    „Ich bezahle Dich nicht“ handelt von Ferdinando Quagliuolo, dem Besitzer einer Lottostelle in Neapel

    Ferdinando ist selbst ein leidenschaftlicher Lottospieler und führt jede Woche ein Dutzend verschiedener Gewinn-Rituale aus, aber er verliert trotzdem immer. Anders sein junger Angestellter Mario Bertolini: Er ist in Fernandos Tochter verliebt und gewinnt fast jeden Samstag, ohne jemals eines der neapolitanischen Gewinn-Rituale durchgeführt zu haben. Natürlich weckt Marios Glück die Eifersucht und den Neid Ferdinandos, der sich deshalb zwischen die Liebe des Angestellten zu seiner Tochter stellt.

    Eines Tages gewinnt Mario, der im alten Geburtshaus seines Chefs wohnt, eine große Geldsumme. Im Freudenrausch erzählt er allen Leuten auf der Straße, dass Fernandos verstorbenen Vater ihm im Traum die Lottozahlen vorausgesagt habe. Fernando ist voller Wut und weigert sich Mario die gewonnene Summe auszuzahlen. Er wendet sich sogar an einen Anwalt und anschließend an einen Priester, um seine Handlung zu rechtfertigen.

    Verstorbener Vater verwechselt seinen Sohn im Traum

    Ferdinando ist überzeugt, dass sein verstorbener Vater in sein ehemaliges Haus kam und glaubte, seinen Sohn Ferdinando schlafend im Bett vorzufinden. Weil es aber dunkel war und der verstorbene Vater schließlich schon “älter”, verwechselte er den Angestellten Mario Bertolini mit ihm, seinem Sohn Ferdinando. Folglich habe Ferdinando das Recht auf den Lottogewinn, denn die Zahlen wurden Mario im Traum nur durch eine Verwechslung vorausgesagt! Aber natürlich – Achtung Spoiler – gibt es ein Happyend: Die jungen Leute heiraten und Ferdinando ist glücklich, dass „sein“ Geld in der Familie bleibt.

    „Non ti pago“ von Eduardo de Filippo ist eine Komödie in drei Akten, die 1942 unter der Regie von Carlo Ludovico Bragaglia verfilmt. Ferdinando wurde von Eduardo gespielt und Peppino De Filippo spielt die Rolle des Bertolini.

  • Lottospiel in Neapel: Im Traum zum Millionär mit der Smorfia

    Lottospiel in Neapel: Im Traum zum Millionär mit der Smorfia

    In Neapel hat das Lottospiel eine lange Tradition. In der vom Aberglauben geprägten Stadt glaubt man, dass die Toten die Zukunft voraussagen können. Und weil die meisten Verstorbenen freundlich sind, verraten sie ihren Angehörigen die Gewinnzahlen im Traum.

    Allerdings erfordert das Umwandeln von Traumsymbolen in Lottozahlen schon etwas Wissen. Dabei hilft die neapolitanische smorfia, ein numerologisches Traumdeutungsbuch der besonderen Art. Mit seiner Hilfe kann jedes Traumsymbol in eine Lotto-Glückszahl umgewandelt werden. Aber auch die genaue Traumhandlung ist entscheidend. Die smorfia wird in Buchhandlungen und Straßenständen in Neapel verkauft.

    Die Seelen im Fegefeuer eignen sich nach dem neapolitanischen Volksglauben besonders gut als Medium

    Es heißt, sie befänden sich in einer Welt zwischen Diesseits und Jenseits und könnten deshalb leichter mit ihren lebenden Angehörigen kommunizieren.

    In den folgenden Artikeln erfahren Sie mehr über das Lottospiel in Neapel und die Bedeutung der Traumsymbole. Vielleicht möchten Sie die geheimnisvolle Verwandlung ihrer Träume in Lottozahlen selbst einmal ausprobieren? Viel Glück!

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  • Neapel: Lotto und Traumdeutung (smorfia)

    In Neapel hat das Lottospielen eine lange Tradition. Jedes Traumsymbol wird von den abergläubischen Neapolitanern in eine Glückszahl umgewandelt. Doch wie funktioniert das?

    Die Traumsymbole und ihre entsprechenden Lottozahlen stehen in der Smorfia, dem neapolitanischen Traumdeutungsbuch. Einer Zahl werden mehrere Symbole zugeordnet und auch der genaue Handlungsablauf des Traums ist entscheidend für die richtige Interpretation.

    So wird etwa der Mutter (La Mamma) die Zahl 52 zugeordnet. Ist diese Mamma jedoch eine spielende Mutter ändert sich die Zahl in 74. Träumt man allerdings von einer lachenden Mutter, so entspricht das der Zahl 9.

    Bei außergewöhnlichen Ereignissen wird in Neapel viel Lotto gespielt

    Es kommt deshalb vor, dass dann die Bewohner eines ganzen Stadtteils glückliche Gewinner sind, weil sie auf die selben Zahlen gesetzt haben. Oder unglückliche Verlierer, aber natürlich liegt es in diesem Fall an vermeintlichen Berechnungsfehlern.

    In Italien gibt es 90 Lottozahlen

    Aus diesen 90 Zahlen werden fünf Gewinnzahlen gezogen. Man gewinnt mit zwei (ambo), drei (terno), vier (quaterna) oder fünf (cinquina) richtigen Zahlen. Jeden Samstag und Mittwoch werden Ziehungen in zehn italienischen Städten durchgeführt (darunter Neapel, Rom, Mailand, Palermo und Bari). Man kann sich entscheiden, für wie viele Städte man Lotto spielen möchte.

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  • Aberglaube und Tradition in Neapel: Verstorbene verhelfen zum Lottogewinn

    In der lebhaften Stadt am Vesuv, die vom Aberglauben geprägt ist, gibt es zahlreiche skurrile Rituale zur Vorhersage der Lottozahlen. Viele Neapolitaner glauben fest daran, dass die Toten in ihren Träumen die Zukunft vorhersagen können und ihren Liebsten die Gewinnzahlen mitteilen. Doch auch der Stadtpatron und ein kleiner Mönch sollen dem Glück auf die Sprünge helfen.

    In Neapel werden verschiedene Riten praktiziert, um die Lottozahlen zu erraten. Die beliebteste Methode ist die Traumdeutung anhand der Smorfia, ihrem Buch der numerologischen Trauminterpretation. Dabei werden nach neapolitanischer Tradition Traumsymbole bestimmten Zahlen zugeordnet. Besonders wichtig sind Träume, in denen Verstorbene erscheinen und Zeichen geben.

    Manche Verstorbene gelten nach dem Volksglauben als besonders gute Medien für diese Aufgabe, wie jene, die einen gewaltsamen Tod erlitten haben oder die Seelen im Fegefeuer (purgatorio). Sie befinden sich in einer Welt zwischen Diesseits und Jenseits und können deshalb einfacher mit den Lebenden kommunizieren.

    Will sich einfach kein Traum einstellen, helfen die „assistiti“ weiter

    Das sind Personen, die mit den Geistern Verstorbener sprechen können und die Lottozahlen sogar Jahrhunderte im voraus kennen. Bis vor nicht allzu langer Zeit glaubte man, dass es genau 72 neapolitanische assistiti geben würde.

    Oft wird der geliebte Stadtpatron San Gennaro (Heiliger Januarius) um die Gewinnzahlen gebeten, ebenso wie der Munaciello und San Paneleone, der Schutzpatron des Lottos.

    San Paneleone ist der Schutzpatron des Lottos

    Die Prognose von Lottozahlen hat in Neapel eine lange Geschichte. Schon in der Vergangenheit bediente man sich zu ihrer Voraussage gerne übernatürlicher Mächte. Einer der Riten ist das Anrufen des Heiligen San Panteleone, dem Schutzpatron des Lottos. Dabei muss man auf ein Stück Papier die Formel

    „Im Namen der Heiligen Dreieinigkeit – Vater, Sohn und Heiliger Geist – gesegneter Traum für diese Zahlen … – Engel des Himmels, ich bitte euch um Hilfe“

    schreiben und es nachts unters Kopfkissen legen. So bekommt man angeblich eine Traumvision, aus der sich die richtigen Zahlen ergeben.
    San Panteolone war ein Arzt, der im Jahr 305 enthauptet wurde. Er pflegte die Kunst der Astrologie und den Kontakt zu den Toten.

    Ein anderer Brauch ist das Gebet zu Gott oder zur Madonna an einem Montag

    Anschließend betet man fünf Ave Maria und fünf Vater-Unser. Danach spricht man eine Formel, die zu einem Traum verhilft, aus dessen Handlung sich die Gewinnzahlen ergeben sollen.
    Es ist meistens die Mutter Gottes, die um die richtigen Zahlen gebeten wird. Beliebt ist die Madonna von Piedigrotta oder die Madonna del Carmine (bekannt als die „schwarze Mamma“).

    Und dann gibt es noch die mystische Figur La Pacchiana

    Sie soll eine Bäuerin aus Pozzuoli gewesen sein, die sich nachts in der Grotte der Sibilla Cumana inspirieren ließ. Beim Verlassen der Grotte hielt sie nach der Legende einen Spiegel ins Mondlicht, auf dem die Lottozahlen aus Buchstaben in Blut erschienen sein sollen.

  • Im unterirdischen Neapel ist ein kleiner Mönch unterwegs: O munaciello

    Im unterirdischen Neapel ist ein kleiner Mönch unterwegs: O munaciello

    Unzählige Legenden ranken sich um den sympathischen Geist, der sich in Neapel auf unvorhersehbare Weise als Kind oder alter Mann zeigt. Wenn nachts wie von Zauberhand Dinge verschwinden, gibt man dafür dem „munaciello“ die Schuld.

    Im abergläubischen Neapel gibt es eine Reihe von mysteriösen Gestalten. Aber der „munaciello“, auf deutsch „kleiner Mönch“, ist wohl der bekannteste esoterische Stadtbewohner. Eine neapolitanisches Sprichwort sagt, dass der munaciello entweder eine Bereicherung ist oder das Leben schwer macht: „‘O munaciello: a chi arricchisce e a chi appezzentisce …

    Der munaciello ist dafür bekannt, Gegenstände in Häusern und Wohnungen über Nacht verschwinden zu lassen. Fehlt plötzlich etwas, machen die Einheimischen einfach den kleinen Mönch dafür verantwortlich. Manchmal lässt der sympathische Geist als Gegenleistung Münzen auf dem Tisch liegen oder macht kleine Scherze. Ein schlecht gelaunter munaciello kann aber auch Geschirr zerbrechen.

    Der munaciello kommt aus den Höhlen unter der Stadt

    Doch woher kommt die Legende? Unter den Häusern von Neapel befindet sich ein weitläufiges System unterirdischer Höhlen (Napoli sotterranea), in denen in vergangenen Jahrhunderten arme Familien und Waisenkinder gewohnt haben. Diesen Kindern gelang es manchmal, sich über unterirdische Höhlenverbindungen Zugang zu den Wohnhäusern zu verschaffen. So versorgten sie sich mit Lebensmitteln oder anderen Sachen. Es schien also, als ob die Dinge von Geisterhand verschwinden würden. Oder war es vielleicht wirklich der munaciello?

    Sie lieben die italienische Sprache?

    Das neapolitanische Sprichwort: „‘O munaciello: a chi arricchisce e a chi appezzentisce“ bedeutet auf Italienisch „Il munaciello o arricchisce o manda in miseria“.

    Vom Neapolitanischen ins Deutsche: „Der kleine Mönch: die einen macht er reich, die anderen arm.“

    Kleiner Mönch: munaciello (Ital.)

  • Neapel: Rotes Corno gegen den bösen Blick

    Neapel: Rotes Corno gegen den bösen Blick

    In Neapel gibt es sie in vielen Geschäften: leuchtend rote Hörnchen in allen Größen. Sie sind das Mittel erster Wahl gegen den bösen Blick und ein beliebtes Souvenir.

    Aberglauben ist weit verbreitet in Neapel. Der böse Blick und seine düsteren Träger werden in Neapel sehr gefürchtet. Viele Neapolitaner und Neapolitanerinnen schützen sich vor ihm mit einem roten Hörnchen, dem „corno“.

    Beliebtes Souvenir aus Neapel

    Corni werden in verschiedenen Größen und Formen sowie aus fast allen Materialien (etwa Plastik, Korallen, Gold oder Silber) hergestellt. Man findet sie als Schlüssel- oder Kettenanhänger und über Haustüren. Ein corno darf nach dem Volksglauben nicht gekauft werden, das brächte Unglück. Es muss als Geschenk überreicht werden, um seine Funktion gut zu erfüllen. Vielleicht gibt es deshalb in allen Souvenirgeschäften in Neapel als Mitbringsel die kleinen Hörnchen, besonders aber in der Altstadt.

    Das Hörnchen war ursprünglich ein Symbol für Potenz und Fruchtbarkeit. Die Farbe Rot gilt in vielen Kulturen als glücksbringend.

    Wer kein corno zur Hand hat, kann sich mit einer Geste gegen den bösen Blick verteidigen

    Hierzu werden der Zeigefinger und kleiner Finger von der Hand abgespreizt und die Hand nach unten gerichtet (siehe Handvokabular).

    Nach dem Volksglauben ist der vermeintliche Träger des bösen Blicks ein magerer Einzelgänger mit blassem Gesicht und gebogener Nase. Seine hervorstechenden Augen blicken böse und verwaschen drein. Deshalb versucht er, sie hinter einer dunklen Brille zu verbergen.

    Malocchio

    In der Vergangenheit konnte man mit ein wenig (Un-)Glück sogar einem „professionellen“ Überbringer des bösen Blicks begegnen. Der Malocchio war ein schwarz gekleideter Mann mit einem unheimlichen Gesichtsausdruck, der durch die Geschäfte Neapels ging. Er stellte sich unheilverkündend vor eine Schaufensterscheibe und starrte dem Ladenbesitzer direkt in die Augen.
    Gegen eine kleine Spende verschonte ihn dieser “berufliche“ jettatore dann praktischerweise höchstpersönlich gegen die Folgen seines bösen Blicks.

    Im modernen Neapel wird kaum jemand zugeben, dass er an den bösen Blick glaubt. Aber kein Neapolitaner ist ohne sein curniciello unterwegs!

    Sie lieben die italienische Sprache?

    Das rote Hörnchen heißt in Italienisch corno und in Neapolitanisch curniciello.
    Böser Blick: malocchio (Ital.)
    Träger des bösen Blicks: jettatore (Ital.)
    Aberglaube: superstizione (Ital.)