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  • Die neapolitanische Kunst des Gestikulierens – eine Sprache ohne Worte

    Die neapolitanische Kunst des Gestikulierens – eine Sprache ohne Worte

    Neapolitaner und Neapolitanerinnen sind für ihre temperamentvollen Gesten in ganz Italien bekannt. Sie schaffen es, eine ganze Unterhaltung ohne Wort zu führen. Wer nach Neapel reist, sollte sich unbedingt vorher mit der Bedeutung der Gesten vertraut machen.

    Entdecke die spannende Welt der neapolitanischen Körpersprache! Probiere typische italienische Gesten vor dem Spiegel aus und sprich im Neapel-Urlaub wie die Einheimischen. Hilfreich beim Erlernen der Gesten sind italienische Filme und unsere Buchtipps.

    Alles über die Sprache der Hände

  • Sprache der Gesten in Italien: Unterhaltung ohne Worte

    Vor allem in Süditalien werden Worte von ausdrucksstarken Gesten untermalt. Viele Gesten werden weltweit verstanden. Doch Vorsicht: Manche haben je nach Land eine unterschiedliche Bedeutung.
    In Italien gibt es eigentlich zwei Sprachen: die verbale und die Sprache der Gesten. Der „wild gestikulierenden Italiener“ darf aber als Stereotyp gelten. Tatsächlich wird in Süditalien viel mit den Händen gesprochen und in Neapel kann eine Unterhaltung sogar völlig wortlos geführt werden. Aber wild? Eher nicht. Die Gesten haben festgelegte Bedeutungen und sehen nur für Außenstehende aus wie ziellose Bewegungen mit „Händen und Füßen“.

    Zeig‘ mir dein Handgelenk und ich verrate Dir die Uhrzeit

    Es gibt mimische und symbolische Gesten. Mimische Gesten sind illustrativ und werden begleitend während eines Gesprächs benutzt. Ein Beispiel ist das Zeigen des Handgelenks ohne Uhr, um die Zeit zu erfragen. Mit mimischen Gesten kann man sich in der ganzen Welt verständigen, denn ihre Bedeutung ist klar und unmissverständlich.

    Anders verhält es sich mit symbolischen Gesten, die sinnbildlich zu verstehen sind. Sie ersetzen ein Wort oder verändern sogar seine Bedeutung. Symbolische Gesten werden nur vor dem Hintergrund des jeweiligen Kulturkreises verstanden und müssen erlernt werden. Ein Beispiel ist die Geste „der/die Gehörnte“, wenn man von der Untreue eines Ehepartners spricht.

    Achtung: Manche Gesten haben je nach Land unterschiedliche Bedeutungen

    So heißt etwa in Tunesien das Zusammenführen von Daumen und Fingern: „Etwas Geduld bitte!“ Im neapolitanischen Raum bedeutet diese Geste genau das Gegenteil: „Mach schnell, komm‘ auf den Punkt!“ Es ist deshalb besser, symbolische Gesten nur im bekannten Kulturkreis zu benutzen, um unangenehme Missverständnisse zu vermeiden.

    Empfehlenswert ist es, sich vor einer Reise mit den wichtigsten Gesten vertraut zu machen. Dabei helfen italienische Filme, entsprechende Literatur und unsere bebilderte Darstellung der wichtigsten Gesten.

     

  • Handvokabular: Typische neapolitanische Gesten in Bildern

    Sie möchten sich in Neapel verständlich machen, sprechen aber kein Italienisch? Kein Problem! Mit diesen Gesten können Sie eine einfache Unterhaltung mit den Einheimischen führen.

    Ein Grundwortschatz des „Handvokabulars“ trägt zur Verständigung bei und ist einfacher zu erlernen als Italienisch. Außerdem macht das Gestikulieren viel Spaß!

    Aber Achtung: Auch die Sprache der Hände hat ihre Dialekte. In den verschiedenen Regionen Süditaliens kann die selbe Geste etwas völlig anderes bedeuten. Vergleicht man etwa das Handvokabular eines Neapolitaners mit dem eines Kalabresen oder Sizilianers stellt man erstaunliche Unterschiede fest.

    Die abgebildeten Gesten sind typisch für den neapolitanischen Kulturkreis,

    auch wenn einige von ihnen in ganz Süditalien oder Italien gebräuchlich sind.  Einige haben mehrere Bedeutungen. Ihre Bezeichnungen haben wir immer in neapolitanischer Sprache und in Deutsch angegeben. @ Alle Zeichnungen wurden von Francesca Buommino für portanapoli.de erstellt.

    @ Francesca Buommino Ma che ‘vvuò?
    “Aber was sagst Du eigentlich?”
    – Daumen und Finger werden zusammengeführt und zeigen nach oben. Das Handgelenk schwingt mehrere Male Richtung Schulter. Diese Geste richtet sich an Personen, die viel reden, ohne sich verständlich zu machen.Oder auch“Was willst Du?” – Oftmals ist dies mehr als eine Frage, weil sie mit einer versteckten Drohung verbunden wird. Sie wird fast wie eine Herausforderung an eine andere Person gerichtet, die den Gestikulierenden provokativ anstarrt.
    @Francesca Buommino “Tiene ‘e ‘ccorna” („Du hast Hörner“)

    Diese Geste sollte man vor einer Neapelreise unbedingt lernen, denn sie ist die schlimmste Beleidigung für einen Mann. Sie bedeutet, dass er von seiner Frau hinterlistig betrogen wird – dass sie ihm „Hörner aufsetzt“. Ich kann Ihnen nur wärmstens von ihrem Gebrauch abraten…

    Oder auch

    Uocchio e maluocchio” (Beschwörung) – Die Neapolitaner sind sehr abergläubisch und glauben an die Macht des bösen Blicks. Wenn die Finger auf den Boden zeigen, soll dies vor dem gefürchteten Blick schützen.

    @ Francesca Buommino Se t’acchiappo/Mannaggia
    „Wenn ich Dich erwische kannst Du was erleben!“Die Hand befindet sich zwischen den Zähnen, um die Zunge vor dem Aussprechen böser Worte zu hindern. Oft wird diese Geste von Müttern benutzt, um ihre Kinder zurechtzuweisen. Die wissen allerdings genau, dass auf diese Art der Zurechtweisung niemals Taten folgen.Falls man den Kopf dabei nach links und rechts bewegt, kann diese Geste auch die Bedeutung von “verflixt!” haben.
    @ Francesca Buommino Si n’allocco, nu’ turzo

    ”Du bist ein Dummkopf!” Der Unterarm befindet sich in vertikaler und gut sichtbarer Position, wobei die Hand sich um die Achse des Armes dreht. Diese Geste richtet sich an leichtgläubige Personen, die einfach zu hintergehen sind.

    @ Francesca Buommino Ma chi t’ha fatto fa’?
    Die Handflächen werden zusammengeführt und schwingen wiederholt zum Brustkorb und wieder weg. Diese Geste ist vieldeutig, weshalb der Kontext und der Gesichtsausdruck für ihr Verständnis wichtig sind.Sie kann Ungeduld anzeigen: “Mach’ schnell!”, aber auch Resignation und beginnende Aufregung, sobald man die Geduld verliert: “Was willst Du denn noch von mir?”
    Oft hat sie auch die Bedeutung: “Wie bist Du denn darauf gekommen, so etwas zu tun?” In diesem Fall ist die Weite der Handschwingungen kleiner, aber schneller.
    @ Francesca Buommino S’hanno accucchiate!
    Sich zusammentun /etwas „miteinander haben“
    Zwei Personen, die sich aus einem bestimmten Grund zusammentun. Das kann sich auf ein Liebespaar beziehen, aber auch auf die Vereinigung von Kräften für nicht ganz saubere Zwecke.
    @ Francesca Buommino Amici per la pelle
    Busenfreunde
    Diese Geste ist in der ganzen Welt bekannt und nicht untrennbar mit dem neapolitanischen Kulturkreis verbunden. Sie bedeutet eine unzertrennliche Freundschaft.Kinder kennen die Geste auch als „flic e floc“, wodurch eine unlösbarer Pakt geschlossen wird.

    © Alle Zeichnungen von Francesca Buommino.

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  • Leidenschaftlicher Körpereinsatz: Die Kunst des Gestikulierens in Neapel

    Ein Neapolitaner erzählt in diesem Beitrag über seine Lieblingssprache – die Sprache der Gesten in Neapel.

    Eine der charakteristischsten Eigenschaften aller mediterraner Völker ist wohl das „Sprechen“ mit den Händen. Doch erst im Schatten des Vesuvs, wo das Gestikulieren die erstaunlichsten und bizarrsten Formen annimmt, wurde diese Kommunikationsform zu einer blühenden Kunst verfeinert.

    Mit Sicherheit begegnen Sie bei einem Spaziergang durch Neapel mindestens einem Einheimischen beim Telefonieren mit seinem Handy. Ich möchte Sie einladen, für einige Minuten dem hektischen Tanzrhythmus seiner freien Hand zu beobachten: Geschlossene Finger öffnen sich plötzlich, die Handfläche scheint mit kreisenden Bewegungen unsichtbaren geometrischen Spuren in der Luft zu folgen und jeder Satz wird von rhythmischen Bewegungen untermalt. Alles mit dem Ziel, die sprachlichen Ausführungen dem Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung verständlicher zu machen! Dabei garantiere ich Ihnen, dass andere Neapolitaner und Neapolitanerinnen auch aus beträchtlicher Entfernung dem Gesprächsthema genau folgen können.

    In Zeiten des Datenschutzes ist die Sprache der Gesten bestimmt nicht die sicherste. Trotzdem benutzen wir Neapolitaner unsere Hände regelmäßig und in jeder Situation, auch wenn die Barriere eines Telefons ihren Gebrauch völlig überflüssig macht.

    Doch erleben Sie es selbst! Versuchen Sie einen Einheimischen zu überreden, irgendeine Unterhaltung ohne Hände zu führen. Falls es Ihnen gelingen sollte einen Freiwilligen für dieses amüsante Experiment zu finden, rate ich Ihnen dessen Hände auf seinem Rücken festzubinden … zur Sicherheit. Nun werden Sie beobachten können, dass die Ausdrucksfähigkeit der bedauernswerten Versuchsperson stark eingeschränkt ist. Es scheint, als würde ein fundamentaler Teil ihres Sprachzentrums plötzlich fehlen. Ich habe es selbst an mir ausprobiert!

    Gibt es eigentlich Schulen für das Erlernen der zahlreichen Gesten?

    Diese Frage stellt sich, wenn man die unbegrenzte Ausdrucksfähigkeit der Hände in Neapel kennen lernt. Aber nicht eine Schule, sondern die tägliche Praxis ist unsere Lehrerin: Tag für Tag, in der Familie, auf der Straße – jede Unterhaltung wird von den beispiellosen Aktionen der Hände begleitet. So wird die Sprache der Hände allmählich verfeinert und das Vokabular angereichert.

    Bereits als Kind wurde ich in den engen Gassen Neapels Zeuge von lautlosen Nachbarschaftsgesprächen. In wenigen Sekunden gaben Frauen Einkaufslisten weiter und tauschten Indiskretionen über den Mann von nebenan aus. Manchmal riefen auch wütende Mütter eine unbestimmbare Zahl von Kindern mit einfachen, aber gewandten Gesten vom Balkon zur Ordnung.

    Auch die Sprache der Gesten hat Dialekte

    Es ist nicht schwierig in verschiedenen Regionen des antiken Königreichs Neapel zwei Personen zu finden, die mit derselben Geste völlig gegensätzliche Dinge zum Ausdruck bringen. Vergleicht man beispielsweise das Handvokabular eines Neapolitaners mit dem eines Kalabresen oder einer Sizilianerin stellt man erstaunliche Unterschiede fest.

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